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Bücher zum Schamanentum

Unter den vielen Büchern zum Schamanentum gibt es einige, die ich gerne empfehlen möchte. Von Büchern nach dem Motto „Jeder ist Schamane“ (definitiv nicht!) oder „Geheimes Wissen“ (1 Mio. Treffer bei google: Geheimwissen??) oder „Selbstheilung und Schamanismus“ (schamanische Praktiken sind kein Feld für Selbstversuche!) rate ich dringend ab. Ich möchte zum Verständnis das Schamanentum etwas ein- bzw. abgrenzen:

Schamanismus oder Schamanentum
Wikipedia schreibt: „Das durch das Suffix -ismus entstandene Wort bezeichnet ein Abstraktum, oft ein Glaubenssystem, eine Lehre, eine Ideologie oder eine geistige Strömung in Geschichte, Wissenschaft oder Kunst.“ Daher halte ich die Bezeichnung Schamanentum für sinnvoller, das es im Sinne eines Brauchtum um eine Kultur und Lebensweise geht, bei den Methoden der schamanischen Reise oder Ekstase eher um Kulturtechniken als um gesammelte Heilmethoden.

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DAS Schamanentum
Es gibt nicht „das“ Schamanentum, „den“ Schamanismus. Je nachdem, in welchem Kulturkreis wir uns bewegen, unterscheiden sich die Seh- und Verhaltensweisen erheblich, oder widersprechen sich sogar (z.B. in der Bedeutung von Tieren oder der Anwendung von Pflanzen). Viele Menschen in unserem Kulturkreis schließen daraus, das „alles irgendwie erlaubt und richtig ist“ oder gar egal. Doch der Eindruck ist gründlich falsch. Die Menschen leben in völlig unterschiedlichen Klimaregionen mit völlig unterschiedlicher Flora und Fauna und den Gefahren und Ressourcen, die diese mit sich bringen. Vor diesem Hintergrund sind die Menschen zu unterschiedlichen Anpassungen gekommen, die sinnvoll sind in Bezug auf ihren Lebenshintergrund und ihre Erfahrung. Sie sind mit diesem Lebensraum individuell und kollektiv unverwechselbar und unaustauschbar verwurzelt (wie ist das mit uns?).

Um zu einem angemessenen tieferen Verständnis zu kommen, gilt es, genau hin zu schauen und sich nicht voreiligen Schlüssen hin zu geben. Wir müssen erkennen, was den Menschen der jeweiligen Region wichtig war und uns selbst darin spiegeln, anstatt sie unbedacht zu kopieren. Wenn eine Hamburgerin im Odenwald die tuwische Schamanin mimt, ist das dem Karneval näher als dem Schamanentum (welchem genau auch immer). Wir müssen nicht „so tun“ wie sie, wir müssen uns die gleichen Fragen stellen, sie beantworten und die Antwort mit ihren Konsequenzen leben.

Als Grundlagenwerke zum Schamanentum sind sicher empfehlenswert:
Schamanismus und archaische Ekstasetechnik
sowie das ganz Werk von Eliade
Der Weg des Schamanen: Das praktische Grundlagenwerk zum Schamanismus

Wer seinen mystischen Blick schärfen will, dem empfehle ich
Die Wolfsfrau – Die Kraft der weiblichen Urinstinkte
oder
Eisenhans: Ein Buch über Männer

Diesen Vortrag hielt Angaangaq beim 18. Rainbow Spirit Festival im Juni 2011 in München:

Schamanentum und Esoterik
Es lohnt sich, zwischen Esoterik und Schamanentum zu unterscheiden. Hier wird viel zu viel durcheinander geworfen. Quantenpsychologie, Auralesen, Bestellung beim Universum, Parapsychologie, Resonanzdenken, Engel, Atlantis und göttliche Matrix haben nichts mit Schamanentum zu tun. Das ist keine (Ab)Wertung, es ist einfach so. Bisher habe ich es auch als nicht besonders wertschöpfend erlebt, weder für Esoterik noch Schamanentum, Lehren aus der Esoterik mit schamanischen Praktiken zu durchmischen. Schon allein der in weiten Teilen der Esoterik verbreitete Begriff der Energie hat recht wenig mit dem Begriff der Kraft zu tun, für den sich Schamanen interessieren.

Schamanentum, Pädagogik, Psychologie
Das Leben folgt nicht psychologischen oder pädagogischen Konzepten. Selten genug, das pädagogische und psychologische Konzepte dem Leben folgen (Thema Schule). Daher folgt auch das Schamanentum keinem pädagogischen oder psychologischen Konzept. Es kann einem die Haare zu Berge stehen lassen, wenn hitzige Diskussionen geführt werden, die letztlich dazu dienen sollen, das Schamanentum so zurecht zu schneiden, dass es in unser bisheriges Weltbild passt. Man nimmt sich, was hübsch ist (nie, was man wirklich braucht), der Rest wird bagatellisiert und verworfen. Das haben wir hier im Westen schon immer so gemacht und ganze Kulturen untergehen lassen, nachdem wir uns bedient hatten. Will man dem Schamanentum gerecht werden, muss man schon zu Ende zuhören, um zu einem ordentlichen Verständnis, das über den Wert einer profanen Sammlung von Nettigkeiten hinaus geht, zu kommen. Das individuelle Schamanentum der vielen indigenen Völker spiegelt das tägliche Leben, die Sehnsüchte der Menschen, ihre Ängste und Bedürfnisse, auch ihre Begrenztheit und Unvolkommenheit wieder. Sind wir uns unserer eigenen Begrenztheit und Unvokommenheit wirklich aufrichtig bewusst? Welche Konsequenzen ziehen wir daraus?

Bücher, die uns das praktische Leben der Schamanen mehr verstehen und erleben lassen, sind
Hüter der Erde. Begegnungen mit Indianern Nordamerikas
Schamanen-Geschichten aus Tuwa
Vater Sonne, Mutter Erde. Zeugnisse indianischen Lebens im Einklang mit der Natur

Wunderbar auch das Buch von Galsang Tschinag, das in romanform vom Leben und Überleben der Schamanen in der Mongolei während des aufsteigenden Kommunismus erzählt: Die graue Erde: Roman (suhrkamp taschenbuch)

Schamanentum und Spiritualität
Das viele Menschen in unserem Kulturkreis an spiritueller Leere leiden, das viele Menschen nach etwas suchen, was sie sebst nicht näher beschreiben können, ist unübersehbar. Wir haben sie uns gründlich ausgetrieben, die mystische Weltsicht, die uns einen Pfad zu unserer Seele weisen würde.

„Wer die Mystik des Lebens verleugnet, kommt an seiner Pathologie nicht vorbei.“ Richard Rohr

Daran ist weniger die Christianisierung Ursache als unser bis heute ungebrochener Glaube an Fortschritt und menschliche Allmacht („Das kann nicht sein!“ waren die letzten Worte des Ingenieurs). Für den erfolgsorientierten Konsummenschen mit Smartphone und Flatrate sind Gott und Geister schlicht überflüssig. Nachdem wir nun unsere eigenen Wurzeln, unsere spirituellen Werte und Rituale und ihre positiven Wirkungen vergessen haben, suchen wir nach Ersatz. Wie der Einsiedlerkrebs in seiner Not auch eine Blechdose als neues Zuhause akzeptiert, so greifen auch wir nach allem, um unser spirituelles Loch zu stopfen. Und wie das mit dem Stopfen in der Not so ist, wir schauen nicht genau hin, nehmen alles, was uns in die Finger kommt, hauptsache es hält und hört auf, weh zu tun.

So wird schon mal schnell aus Jesus ein Vegetarier (war er nachweislich nicht), die nordamerikanischen Indianer zu erleuchteten Wesen, die nie etwas Böses tun würden (zu hunderten und tausenden haben sie sich in Kriegen gegenseitig getötet, schon bevor der weiße Mann kam) und Schamanen zu Menschen, die sowieso alles besser können, weil viel verbundener (tuwinische Schamanen stehen mitunter so in Konkurrenz, daß sie sich gegenseitig umzubringen trachten).

So einfach ist es also nicht. Aber auch nicht hoffnungslos.

Doku – 360 Grad Geo Reportage – Sikkim – Das alte Wissen der Schamanen

Ein hervorragendes Buch, das sich sehr genau mit indigenen Völkern und unserer Sicht auf sie kritisch befasst, ist das fast vergriffene Buch Wenn die Geister wiederkehren der Ethnologin Imogen Seger.

Insbesondere erwähnenswert ist das kleine Büchlein von Felicitas Goodman
Trancerituale für Jugendliche
sowie ein Bilck in ihr gesamtes Werk

Ein beeindruckendes, aktuelles Werk zum Zeitgeschehen ist
Heiliges Feuer: Schamanen und Älteste für die Welt

Schamanismus – Unterwegs in die nächste Dimension

Schamanentum als Heilmethode
Wir neigen dazu, Schamanentum als Sammlung von Heilmethoden zu verstehen. Sicher ist es möglicher Weg, über die Frage nach Heilung den Weg in den Schamanismus zu finden. Doch sollte man sich vor Augen halten, dass es sich um ein die Lebegnsgemeinschaft umfassende kulturelle und religiöse Auffassung handelt, die das Leben jedes einzelnen Mitglieds eines Clans, eines Stammes oder Volkes betrifft und einbindet, das Feste und Rituale festlegt sowie kleinere und größere tägliche Lebensabläufe.

Die Klinik der Schamanen

In diesem Sinne sei verwiesen auf
Soulcraft: Die Mysterien von Natur und Seele
und dem Werk von Sandra Ingermann

Schamanentum und die eigenen, europäischen Wurzeln
Viele Menschen möchten gerne wieder einen eigenen, europäischen Schamanismus sehen und begeben sich auf die Suche nach Wurzeln. Doch da ist vergleichsweise wenig zu finden. Und was noch zu finden ist, von dem sind wir ebenso weit entfernt wir von schamanischen Kulturen der Gegenwart. So frönen manche den Kelten und übersehen dabei so Kleinigkeiten wie Menschenopfer, die in Ritualen der Kelten erbracht wurden. Oder stellen sich als Druide verkleidet zur Sonnenwende in den Steinkreis bei Stonehenge, obwohl nachweislich zwischen Druiden und Steinkreisen schlappe 50.000 Jahre liegen. Es ist nichts Falsches dabei, das und anderes zu tun. Aber mit der authentischen Suche nach schamanischen, europäischen Wurzeln hat es nichts zu tun.

Asche anbeten? Oder Feuer weitergeben?

Die andere Frage ist, was werden wir am Ende der wenigen Wurzeln finden, die wir ausgraben können? Letztlich nur einen jahrtausende alten Versuch, den Fragen des Lebens eine Antwort zu geben. Wenn wir also einen wirkungsvollen europäischen Schamanismus wieder beleben wollen, müssen wir nicht „so tun“ wie unsere Vorfahren, sondern die Fragen stellen, die unsere Vorfahren getsellt haben.

Dazu lädt das Buch von Wolf-Dieter Storl ein:
Naturrituale: Mit schamanistischen Ritualen zu den eigenen Wurzeln finden
sowie das ganze Werk von Wolf-Dieter Storl
ferner
Feuerfrau und Windgesang: Schamanische Rituale für Schutz und Stärkung
Der Brunnen der Erinnerung
Heilige Runen: Zauberzeichen des Nordens

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