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Kreativer Umgang mit schwierigen Menschen: Heulsusen stoppen

Heulsuse

Es kann richtig gut tun, sich mal auszuheulen, den Gedanken und Gefühlen ungefiltert freien Lauf zu lassen, los zu lassen. Ich wünsche jedem Leser einen Menschen, der dann zuhört.

Andererseits gibt es Menschen, die sich mit ihrem offensichtlich ach so trüben Schicksal interessant machen möchten, die kein Ende finden. Schließlich endet es im „Ja, aber..“-Spiel. Will heißen: wir unterbreiten einen Vorschlag, eine Idee nach der anderen, und unser Gegenüber hat immer einen Grund parat, warum genau das nicht geht, bereits schon erfolglos versucht wurde etc. und überhaupt. Heulsusen also, klasse Schauspieler obendrein.

Machmal bin ich mir auch nicht sicher, wen ich da vor mir habe, denn es gibt ja auch die Möglichkeit, dass sich jemand in epischer Breite über seine Kollegen eschoffiert, es eigentlich aber um etwas ganz anderes geht, z.B. das gestörte Verhältnis zum Lebensgefährten/tin oder ähnliches. Ein Stellvertreterkrieg also.

Es gibt eine einfache Frage, mit der Sie die Spreu vom Weizen trennen können: „Was ist das Schlimmste daran?“

Kommt Ihr Gegenüber in etwa auf den Punkt, stellen Sie genau diese Frage: „Was ist das Schlimmste daran?“ Achten Sie genau auf alle Reaktionen Ihres Gesprächspartners, Änderung der Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Länge der Sprechpause, bis die Antwort kommt.

In der Hauptsache, so meine Erfahrung, gibt es drei verschiedene Antworttypen:
1. Antwort mit der Gegenfrage: „Was soll denn die Frage?!“
Jemandem, der gerne das „Ja, aber“-Spiel spielen möchte, passt das gar nicht in den Kram, denn Sie haben soeben das Spiel beendet. Eine Heulsuse also. Die Heulsuse wird sich jetzt anschicken, das Feld zu räumen, da sie angesichts einer solch unverschämten und unsensiblen Frage in Ihnen keinen Spielgefährten mehr sieht. Schließlich sollen Sie Verständnis haben, und nicht noch alles schlimmer machen!

2. Antwort mit der Gegenfrage: „Wie? Was? Was meinst Du damit? Ja eben das …“
Ihr Gegnüber stutzt, bleibt aber beim Thema, und beginnt, darüber nach zu denken, unternimmt wenigstens den Versuch einer Antwort. In diesem Fall hat Ihr Gegenüber schon einen Leidensdruck, allerdings besteht die Möglichkeit, dass es tatsächlich um ein ganz anderes Thema geht. Das können Sie mit etwas Beobachtung und Einfühlungsvermögen schnell finden.

3. Die Antwort kommt so präzise und schnell wie eine Pistolenkugel
Hier hat jemand genau das Problem, das er beschreibt, leidet darunter und kennt das mit diesem Problem verbundene Gefühl. Kein Spiel, kein Stellvertreterkrieg, alles echt.

Beispiel (schematisch):
Jemand stellt dar, wie inkompetent, moralisch verwerflich, unsozial, profitgierig, heute-so-morgen-so der Vorgesetzte ist.
Frage: „Was ist das Schlimmste daran?“

Antwort der Heulsuse: „Ja, wie! Was soll denn die Frage? Äh, ja also der ist halt so blöd. Naja.“

Antwort im Stellvertretekrieg: „Ja, wie, was ist das Schlimmste!? Das der so bescheuert ist! Das hält ja keiner aus! Ich habe schon gedacht, ich schreib mal einen Brief an den XYZ! Jeden Tag was anderes, heute sagt der so, morgen so!“
„Du meinst, dieser Widersinn ist so schlimm.“
„Ja! Genau! Der Widersinn! Genau! Dieses hin und her! Das könnte alles viel glatter laufen, wenn… “

Antwort des wirklich Leidenden: „Das ich nie das Gefühl habe, was geschafft zu haben! Ich geh abends total kaputt raus und weiß genau, dass ich morgen alles neu machen kann!“

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